KOMPASS 2026: begrenzte Kontingente und was Solo-Selbstständige jetzt tun können
KOMPASS läuft weiter. Es gibt keinen Aufnahmestopp und keinen Förderstopp. Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist bundesweit die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt (Kontingentierung), damit die bereits vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden. Erstberatungen finden weiter statt, und Qualifizierungsschecks werden weiter ausgegeben. Die Folge: Eine zeitnahe Ausstellung eines Schecks ist in diesem Zeitraum nicht in allen Fällen garantiert.
Dieser Artikel erklärt, was die Kontingentierung praktisch für dich bedeutet, wie du dich gut vorbereitest und welche weiteren Fördertöpfe es gibt. Den aktuellen Stand prüfst du direkt auf kompass-foerderung.de. Stand Juli 2026.
Warum die Kontingente begrenzt sind
KOMPASS (Kompakte Hilfe für Solo-Selbstständige) ist ein Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, finanziert aus dem Europäischen Sozialfonds Plus und aus Bundesmitteln. Es läuft bis Ende 2027.
Weil viele Anträge vorliegen, hat das Programm die Ausgabe neuer Qualifizierungsschecks von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 mengenmäßig begrenzt. Ziel ist, die vorhandenen Anträge zügiger zu bearbeiten. Das ist ausdrücklich kein Stopp: Erstberatungen laufen weiter, und Qualifizierungsschecks werden weiter ausgegeben, nur eben in begrenzter Zahl.
Für dich heißt das: Du kannst weiterhin eine Erstberatung bei einer KOMPASS-Anlaufstelle vereinbaren und einen Qualifizierungsscheck bekommen. Wegen der Kontingentierung kann die Ausstellung aber länger dauern und ist nicht in allen Fällen sofort garantiert.
Den aktuellen Stand kommuniziert das Programm direkt auf kompass-foerderung.de. Auch deine regionale Anlaufstelle kennt die aktuelle Lage vor Ort.
Was das konkret bedeutet
Während der Kontingentierung gilt:
- Erstberatung läuft weiter. Du kannst dir weiterhin einen Termin bei einer KOMPASS-Anlaufstelle geben lassen.
- Qualifizierungsschecks werden weiter ausgegeben. Die Ausgabe ist nur mengenmäßig begrenzt, damit die vorliegenden Anträge schneller durchlaufen.
- Keine sofortige Garantie. Eine zeitnahe Ausstellung deines Schecks ist in diesem Zeitraum nicht in allen Fällen garantiert. Plane etwas Vorlauf ein.
- Bewilligte Förderungen laufen weiter. Wer schon einen Scheck oder eine Bewilligung hat, absolviert den Kurs ganz normal und rechnet ihn auch ab.
KOMPASS fördert bis zu 4.500 Euro und rund 90 Prozent der Weiterbildungskosten. Die Erstattung läuft über die DRV Knappschaft-Bahn-See. Bei einem 4.500-Euro-Kurs bleibt also ein Eigenanteil von rund 450 Euro.
Aus meiner Beratungspraxis sehe ich, dass die begrenzten Kontingente manche Solo-Selbstständige verunsichern. Wichtig ist: Das Programm läuft, du kannst dich beraten lassen und einen Scheck bekommen. Wer die Zeit gut nutzt, geht vorbereitet in die Beratung.
Wie du dich gut vorbereitest
Damit die Beratung und Antragstellung reibungslos laufen, lohnt sich saubere Vorbereitung:
Kurs recherchieren. Welche AZAV-zertifizierten Träger bieten Kurse an, die zu deiner Selbstständigkeit passen? Welche Module haben sie? Was kosten sie? Diese Recherche dauert gut drei bis fünf Tage, wenn du es gründlich machst.
Träger kontaktieren und Angebote einholen. Frag nach dem schriftlichen Angebot (inklusive AZAV-Nummer, Kursdauer, Inhalten). Wer im April Angebote holt, hat im Juni drei oder vier Optionen zur Auswahl.
Begründung schreiben. Warum genau dieser Kurs? Warum jetzt? Wie passt er zu deinem Geschäftsmodell? Der Antragstext ist der Teil, den viele unterschätzen. Wer drei Wochen Zeit hat, kann eine präzise Begründung formulieren, die im Antrag den Unterschied macht.
Wirtschaftliche Unterlagen sortieren. Umsatzsteuer-Voranmeldungen der letzten Quartale, Einnahmen-Übersicht, Gewerbeschein oder Freiberufler-Nachweis bereitlegen. Wer die Papiere nicht zusammenhat, verliert im Juni unnötig Zeit.
Wenn du diese vier Blöcke erledigst, kannst du deine Anlaufstelle kontaktieren und mit vollständigen Unterlagen in die Erstberatung und Antragstellung gehen.
Alternative 1: Den Kurs privat finanzieren und steuerlich absetzen
Wer nicht warten will, kann den Kurs selbst zahlen. Steuerlich ist das als Betriebsausgabe voll absetzbar, wenn die Weiterbildung beruflich veranlasst ist.
Ein Rechenbeispiel:
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Kurs brutto | 4.500 EUR |
| Vorsteuerabzug (wenn USt-pflichtig) | 718 EUR |
| Kurs netto (als Betriebsausgabe) | 3.782 EUR |
| Steuerersparnis bei 30 Prozent Steuersatz | 1.135 EUR |
| Netto-Eigenaufwand | 2.647 EUR |
Das ist natürlich mehr als die 450 Euro Eigenanteil, die du bei einem KOMPASS-geförderten 4.500-Euro-Kurs zahlen würdest. Aber wer die Weiterbildung jetzt braucht (um einen konkreten Auftrag zu erfüllen, eine Zertifizierung zu bekommen, eine Marktlücke zu nutzen), kommt mit dem privaten Weg trotzdem auf einen tragbaren Netto-Aufwand.
Kleinunternehmer nach §19 UStG können keine Vorsteuer ziehen, aber den Betriebsausgaben-Abzug bleibt.
Alternative 2: Landesförderungen prüfen
Einige Bundesländer haben eigene Weiterbildungs-Schecks, die auch Selbstständige erreichen können. Die bekanntesten:
- Bildungsscheck NRW: bis 500 Euro, 50 Prozent der Kosten
- Bremen Weiterbildungsscheck: bis 500 Euro bei geringem Einkommen
- Rheinland-Pfalz QualiScheck: bis 1.500 Euro, 60 Prozent der Kosten
- Hamburg Weiterbildungsbonus: für Beschäftigte und Selbstständige
Die Länder-Programme sind kleiner als KOMPASS, oft aber schnell bewilligt und unabhängig von KOMPASS verfügbar. Die Förderdatenbank des Bundes listet alle Länder-Programme konsolidiert.
Wichtig: jedes Land hat eigene Einkommens- oder Zielgruppen-Kriterien. Wer einen Landes-Scheck in Anspruch nimmt, darf für denselben Kurs später nicht auch KOMPASS beantragen (Doppelförderungsverbot).
Alternative 3: ESF-Plus-Programme
Neben KOMPASS gibt es weitere ESF-Plus-finanzierte Programme, die auch Solo-Selbstständige erreichen. Diese laufen oft über regionale Weiterbildungszentren oder Branchenverbände.
Beispielhaft:
- unternehmensWert:Mensch plus (Zuschuss für Prozessberatung, indirekt für Weiterbildung)
- Branchenspezifische Förderprogramme für Kreativwirtschaft, Handwerk, IT
- Regionale Weiterbildungs-Initiativen in strukturstarken Regionen
Diese Programme haben meist engere Zielgruppen und niedrigere Fördersummen als KOMPASS, sind aber unabhängig von KOMPASS zugänglich.
Was sich nicht als Alternative eignet
Drei Wege, die trotz Suchtreffern meist nicht passen:
Bildungsgutschein: Den gibt es nur für Arbeitssuchende oder akut von Arbeitslosigkeit bedrohte Personen. Als laufend Selbstständige erfüllst du das Kriterium nicht, ohne deine Selbstständigkeit aufzugeben.
Aufstiegs-BAföG: Das fördert anerkannte Aufstiegsfortbildungen nach BBiG (Meister, Fachwirt, Betriebswirt). Deine typische berufliche Weiterbildung als Solo-Selbstständige (ein KI-Kurs, ein Marketing-Modul, eine Softwareschulung) ist meist keine Aufstiegsfortbildung im Sinne des Gesetzes.
Bildungsprämie des Bundes: Die ist Ende 2021 ausgelaufen und hat keinen direkten Nachfolger. Wer sie in Suchergebnissen findet, findet veraltete Informationen.
Wie lange die Kontingentierung gilt
Die begrenzte Ausgabe der Qualifizierungsschecks gilt von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026. Danach normalisiert sich die Ausgabe voraussichtlich wieder. Das Programm selbst läuft ohnehin bis Ende 2027 weiter. Den aktuellen Stand prüfst du auf kompass-foerderung.de.
Wer in dieser Phase einen Scheck bekommt, hat realistische Chancen auf einen Kursstart im Sommer oder Herbst 2026. Rechne wegen der Kontingentierung mit etwas mehr Vorlauf zwischen Erstberatung und Ausstellung des Schecks.
Warum früher Kontakt sich lohnt
Weil die Ausstellung länger dauern kann, zahlt sich früher Kontakt aus. Vereinbare zeitnah deine Erstberatung, statt zu warten. Je vollständiger deine Unterlagen sind, desto schneller kann die Anlaufstelle den Scheck ausstellen, sobald ein Kontingent verfügbar ist.
Wenn du ohnehin planst, im Herbst einen Kurs zu machen, hast du genug Puffer. Wer einen Kurs kurzfristiger braucht, findet weiter unten alternative Wege.
Was in der Praxis hilft
Drei Punkte, die den Unterschied machen:
Erstens: Informationen direkt bei der regionalen Anlaufstelle einholen, nicht pauschal im Netz. Die Phase-Daten variieren regional, und die lokalen Berater kennen den aktuellen Stand ihrer Budgetauslastung.
Zweitens: Mit vorbereitetem Kurs und vollständigen Unterlagen in die Beratung gehen. Wer alles beisammen hat, kann den Scheck bekommen, sobald ein Kontingent frei ist. Wer erst dann anfängt zu recherchieren, verliert Zeit.
Drittens: Kein anderes Programm ersetzt KOMPASS eins zu eins mit rund 90 Prozent Förderung. Die Landesschecks und ESF-Programme sind real, aber kleiner. Wer einen teureren Kurs kurzfristig braucht, kann ihn privat finanzieren und absetzen.
FAQ
Ist KOMPASS aktuell gestoppt?
Nein. KOMPASS läuft weiter, ohne Aufnahmestopp und ohne Förderstopp. Von Mai bis voraussichtlich Oktober 2026 ist nur die Ausgabe der Qualifizierungsschecks begrenzt, damit die vorliegenden Anträge schneller bearbeitet werden. Erstberatungen und Scheck-Ausgabe laufen weiter.
Kann ich jetzt noch einen Qualifizierungsscheck bekommen?
Ja. Erstberatungen werden weiter angeboten und Qualifizierungsschecks weiter ausgegeben. Wegen der Kontingentierung kann die Ausstellung aber länger dauern und ist nicht in allen Fällen sofort garantiert. Den aktuellen Stand prüfst du auf kompass-foerderung.de.
Läuft mein schon bewilligter Kurs trotzdem weiter?
Ja. Ein Bewilligungsbescheid ist ein rechtsverbindlicher Verwaltungsakt und gilt unabhängig von der Kontingentierung. Dein Kurs läuft, die Abrechnung am Ende funktioniert normal.
Wie viel zahlt KOMPASS?
Bis zu 4.500 Euro und rund 90 Prozent der Weiterbildungskosten. Die Erstattung läuft über die DRV Knappschaft-Bahn-See. Bei einem 4.500-Euro-Kurs bleibt ein Eigenanteil von rund 450 Euro.
Was, wenn ich unbedingt sofort einen Kurs machen muss?
Wenn du auf keinen Fall auf einen Scheck warten willst, kannst du den Kurs privat finanzieren und als Betriebsausgabe absetzen, oder ein Landes-Programm nutzen. Die Rechnung oben zeigt, dass bei Umsatzsteuer-Pflicht und 30 Prozent Steuersatz der Netto-Eigenanteil auf etwa 60 Prozent der Bruttokosten sinkt. Für den nächsten Kurs kannst du KOMPASS nutzen.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger (AZAV). Promovierter Naturwissenschaftler, über zehn Jahre Erfahrung in Bildung und Digitalisierung. Er berät Solo-Selbstständige zur Fördertoptimierung rund um Weiterbildung. Mehr unter Über den Autor.
Zuletzt geprüft am 15. Juli 2026 von Dr. Jens Aichinger.
Weitere Quellen: KOMPASS-Förderung (offizielle Programmseite), Förderdatenbank des Bundes.
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